Konstanzer Hochschulen planen Ausstellung zur sexuellen Identität

Pioniertat der Universität Konstanz: Im Juli hatte sie die LGBTIQ-Community – Studierende, Dozierende und Angestellte – zu einem Mittagstisch eingeladen. Das Resultat des Treffens ist die Idee einer Ausstellung zur sexuellen Identität. Queer-Lake interessiert sich für diese lobenswerte Initiative. Svenja Kornher, an der Uni Konstanz für Diversity in Studium und Lehre zuständig, gibt Auskunft.

Queer-Lake: Wie ist die Universität Konstanz auf die Idee gekommen einen Mittagstisch für die LGBTIQ-Community zu veranstalten? Gab es dazu einen konkreten Anstoss oder Anlass?

csm_kornherr_01_be86dbcf38Svenja Kornher: Im Referat für Gleichstellung und Familienförderung haben wir es schon länger diskutiert, LGBTIQ Themen stärker an der Universität Konstanz zu thematisieren. Bereits in den letzten Jahren haben wir immer wieder einzelne Veranstaltungen zu diesen Themen durchgeführt, ohne jedoch einen Gesamtzusammenhang herzustellen und strukturelle Massnahmen anzugehen. Seit letztem Jahr sind wir bei den Diversity Audits des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft dabei. Deshalb haben wir eine Open-Space-Veranstaltung für alle Universitätsmitglieder durchgeführt. Dort hat Martin Schneider, ein Doktorand, das Thema Homosexualität an der Uni eingebracht. Mit dem Mittagstisch wollen wir die begonnene Diskussion vertiefen.

Sie sagen «wir». Wer ist damit gemeint?

«Wir» heisst in diesem Fall: der Personalrat und die Interessengruppe Gender Studies. Die Idee war erst einmal bei den Beschäftigten und den Wissenschaftler*innen nachzufragen, ob und was sie sich wünschen. Für die Studierenden gibt es bereits «uniqueer» und das Schwulen- und Lesbenreferat des allgemeinen Studentenausschusses (Asta).

Welche Gruppen waren eingeladen? Wie viele Teilnehmende erschienen zu diesem Anlass?

Eingeladen waren alle, die Interesse haben und sich auf Gespräche einlassen wollen. Es kamen rund zehn Mitglieder der Universität, zwei davon Studierende aus der Interessengruppe Gender Studies.

Welche Themen wurden an diesem Mittagstisch diskutiert?

Es ging um Regenbogenfamilien sowie darum, dass sexuelle Orientierung oft nicht thematisiert wird. Und es ging um mögliche Diskriminierung. Hier war es vor allem die Aussage, «mir ist an der Uni noch nichts passiert, aber können wir wissen, ob es nicht doch vorkommt?», die mich bestätigt hat. Warum ist die erlebte Realität von einer erahnten Gefahr begleitet? Wie können wir damit an der Uni umgehen und die Situation angemessen einschätzen? Welche Antidiskriminierungsmassnahmen sollte es geben? Klar geworden ist auch, dass die «intersektionelle Verflechtung» stark ist: ob eine Diskriminierung homophob ist oder auch rassistisch und sexistisch, lässt sich oft gar nicht so leicht einschätzen. Und was tun, wenn alles eine Rolle spielt?

Wurden am Treffen konkrete Ideen entwickelt?

Es kam die Idee auf, eine Ausstellung zu sexueller Identität zu machen, um zu sensibilisieren. Inzwischen haben wir mit Akteur*innen an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) gesprochen. Wir möchten dieses Projekt als Konstanzer Hochschulen gemeinsam angehen.

Wurden Forderungen gestellt oder Themen eingebracht, die Sie überrascht haben?

Überrascht ist zu viel gesagt, aber dass die Ausstellungsidee aufkam, war etwas Besonderes. Wenn man sich wie ich als Diversity-Akteurin viel mit Sensibilisierungsmassnahmen beschäftigt, ist es immer wieder eine tolle Bestätigung zu hören, dass es dafür ein interessiertes Publikum gibt. Hier ist gleich von Anfang an eine gemeinsame Idee entstanden – das ist sehr schön.

Gibt es konkrete Massnahmen, die aufgrund dieser Aussprache ergriffen werden?

Die Ausstellung natürlich. Ausserdem wird das Referat für Gleichstellung und Familienförderung LGBTIQ-Massnahmen im Rahmen des Diversity-Audits konkretisieren und die Anti-Diskriminierungsarbeit aufbauen.

Waren sie mit der Beteiligung und dem Verlauf des Anlasses zufrieden? Nimmt die Universität in Aussicht, einen solchen Mittagstisch oder ein ähnliches Treffen zu wiederholen?

Aus meiner Sicht ist die Veranstaltung gelungen. Wir möchten die Diversity-Tischgespräche wiederholen. Ich denke schon, dass es dabei häufig auch um LGBTIQ-Themen gehen wird.

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Kontakt: Svenja Kornher <svenja.Kornher@uni-konstanz.de>
Fragen und Redaktion: Queer-Lake.net / René Hornung